Rechts rüm wird gschwomme Wer als Kissinger nach Garitz zum Fasching kommt, muss einiges aushalten. Die Narren vom Bier Tümpel Club (BTC) sind mit ihrem Spott auf die Kurstädter nicht gerade zimperlich. So ging's unter anderem um Grand Prix verdächtige Höhepunkte in Bad Kissingen. Aber natürlich standen "Göritzer" Unikate und Eigentümlichkeiten im Vordergrund.

"Der große Preis von Garitz" war das Motto. Doch auch die Beiträge waren alle "Preis" verdächtig. Die 49. und 50. Elferratssitzungen in der 38. Session waren ausverkauft. Das Bühnenbild von Axel Dürheimer mit Formel-1-Rennern und dem neuen Statussymbol "KissSalis" machte ganz schön was her und Sitzungspräsident Manfred Töpperwien verbreitete gute Laune.

Wilhelm Tell alias Bernd Holzheimer las in wohlgesetzten Reimen der Politik und der Prominenz die Leviten. Da stolperte der Stolpe über TollCollect, die Praxisgebühr wurde als verkappte Beitragserhöhung geoutet und die Bahn als "Phantom-Beförderungsmittel" tituliert. Die elf Mädchen der Mini-Garde begeisterten in roten Kostümen und ebenso roten Wangen.

Ein Augenschmaus waren auch die Mädchen der BTC-Garde in ihren rot-weißen Kostümen, die später noch zu einem Pop-Medley die Beine schwangen. Am Freitag präsentierte auch die NCC-Garde aus Nüdlingen ihren Showtanz. Wortgewaltig meldete sich Grand-Prix-Beobachter Benedikt Rüth zu Wort. Er lieferte einen Rückblick auf Kissinger "Höhepunkte": das Hochwasser in Bad Kissingen - wobei die Verwaltung eigentlich "gewöhnt ist, dass ihr das Wasser bis zum Hals steht" - oder der Blumen-Grand-Prix "Entente Florale". Als "Faschings-Grand-Prix" wurde die Flucht des OB beim Rathaussturm bezeichnet.

Den lokalen Garitzer Touch lieferten Iris Scheit und Klaus Werner als BTC-Williams-Rennfahrerin "Ellen Prost" und Kai Übel von Exklusiv-1 mit einem Exkurs über das mit Hundekot übersäte Dölleburg-S, die Seniorenschleife am Parkwohnstift sowie die Grünpfeil-Kompression am Schlereth-Eck. Dank der "Freiheit für Garitz (FfG)" waren auch die Übertragungsrechte über die lokale Antenne gesichert. Den Höhepunkt vor der Pause setzten traditionsgemäß die BTC-Sänger mit Michael Martin, Christoph Saar, Martin Friedrich, Bertram Englbauer und Christian Rüth, der zusammen mit Johannes R. Köhler auch für Texte und Arrangements zuständig war.
Mit ihrer "Kröten-Ralley" um den See als Heimatlied eroberten die Fünf die Herzen der Gäste. Der rustikale Umgang der "Göritzer" mit den Kissingern in früherer Zeit war ebenso Thema wie "Käthchens erster Besuch in KissSalis" mit Party-Feeling und zur Melodie von "Ab in den Süden".

Als Problemlöser präsentierte sich "Investor" Christian Rüth, denn "in der Stadt der Schranken fehlen positive Leitgedanken". Auch wenn in einschlägigen Finanz-Blättern vor Investitionen in Kissingen gewarnt wurde, so habe er sich doch mit einem Koffer voller Geld dem Laudenbach zur Verfügung gestellt. Da ging's auch um den Umbau des Rhönkaufhauses in einen edlen Shopping-Tempel für "angenehme, zahlungskräftige Kundenströme", natürlich aus Garitz, denn die Kissinger sind arme Teufel. Spürbar sei dort oben die "Geldeswärme in Verbindung mit der KissSalis-Therme" und der neuen Göritzer Wellness-Meile.

Die Aktions-Gruppe erhielt bei ihrem Grand-Prix-Debüt "Douze Points" aus der Türkei, die mit der Aufforderung "Winkels Calling" ihre Wertung abgab. Die Gruppe präsentierte unter der Regie von Robert Stadtmüller den Grand-Prix-Streit zwischen einem Formel-1-Rennen und Volksmusik als Familienkonflikt mit einem genervten TV-Sprecher, lokalen Werbe-Einlagen und der mystischen Doppelfigur Johannes und Nicole Heesters (Elmar Krug).
"Rechts rüm wird gschwomme" lautete der Befehl von KissSalis-Schwimmmeister Thomas Rüth. Bereits beim Bau eingesetzt, konnte die erste Kissinger Hilfskraft feststellen, dass die Besichtigungstouren der Selbstbedienung dienten und die Bauarbeiter gar nicht so viel Material herbei schaffen konnten, wie da mitgenommen wurde.

Dann gab's eine von Applaus und Lachern begleitete Führung durch den Wellness-Tempel, die vom "Strömungskanal" über den "Moorraum" bis zum Solarium mit "Köhler-Stufe" führte. Streichelmusik sei jedoch verboten, denn die führe zum Gleichklang der Herzschrittmacher, was wiederum für die Statik schlecht wäre. Schon weit nach Mitternacht wurden die Gäste nochmals zum Mitklatschen und -singen animiert. Dafür war Michl Müller der Garant, der als "Fremdenführer" im englisch-deutschen Kauderwelsch Amis, Franzosen und Japanern die lokalen Sehenswürdigkeiten zeigte.

Da ging's beim "Long" um Tattoo und Piercing mit Flugrost, den original German Pub, die Elisabeth-Cathedrale mit Free-Climber Ziegler und die Heilbadelandschaft, die er mit ihrem "very, very langsamen Farbwechseling" als "Senioren-Disco mit Wasser" anpries. Vollends von den Stühlen riss Müller die Gäste mit seiner neuen BTC-Hymne "Da sin mer dabei und sonst gar nix - beim Fasching in Goritz".

Nicht hinten anstehen wollte bei den Sitzungen die Prominenz. Am Freitag hatte Pfarrer Edwin Ziegler mehrere Vierzeiler dabei, SPD-Vertreter Norbert Paulus (als "Ich-AG" angekündigt, denn laut Sitzungspräsident bedeutet dies: "Ich armer Genosse") und Bürgermeister Alfred Wacker betätigten sich als Stadtrat-Poeten. Am Samstag standen Pfarrer Anton Kühfeldt, Toni Schick und Isolde Anstötz zu Grußwort bzw. -gesang bereit. Aus den Händen von Karl-Heinz Surauf, Vertreter des Landesverbandes Franken im Deutschen Karneval, erhielten Ria Reuss und Helmtrud Vogl den Landesverbandsorden als Anerkennung für fast vier Jahrzehnte Hilfe hinter den Kulissen.

 

Mainpost vom 08.02.2004

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