Beeindruckende Tänze, politische Büttenreden und ein Motto: Italien. Der BTC Garitz hat Fasching gefeiert. So war die Sitzung.  Elferratssitzungen sind bekanntlich stark ritualisiert und das ist auch beim Garitzer Biertümpelclub (BTC) nicht anders. Anders ist nur, dass das erste Ritual schon zum Tragen kommt, bevor die Sitzung überhaupt begonnen hat: Wer sich in der ausverkau!en Turnhalle bis zu seinem Platz durchgekämp! hat und sich auf seinen Platz gezwängt hat, grei! als Erstes zur aufliegenden Speise- und Getränkekarte. Nicht, weil er so hungrig oder durstig wäre, sondern weil das die allererste Möglichkeit ist, das Thema der Sitzung zu erfahren.  Wenn es da nicht steht, dann lassen die Namen der Gerichte immer einige Rückschlüsse darauf zu, was man erwarten kann – so wie jetzt: Da entdeckt man Speisen wie „Mafiosi“, eine eingezwickte italienische Bratwurst, oder „Sizilianer“, selbige mit Rosmarinkarto"eln. Da gibt es „Tortellini alla Mama“, „Schnitzel Al Capon“, ein Mailänder Schnitzel, und einen „Anti- Carabinieri-Teller“, also verschiedene Antipasti. Motto ist Italien  Garitz scheint also dieses Jahr nach Italien verlegt zu sein und ist o"enbar auch schon in die Fänge der Mafia, der Cosa Nostra oder der 'Ndrangheta geraten. Dazu hätten sie freilich nicht umsiedeln müssen, denn die sind schon lange auch hierzulande aktiv. Als sich der Vorhang schließlich ö"nete, gab’s ein bisschen mehr, aber keine endgültige Klarheit: „Garitzer Casa Nostra – Kissingen Quanta Costa“. Natürlich ist mafiöser Argwohn in der Problembeziehung zwischen der Kurstadt und ihrem Lieblingsstadtteil geboten. Aber warum „Casa“ und nicht „Cosa“, warum „Quanta“ und nicht „Quanto“? Ganz so kriminell kam’s dann doch nicht. Wie Sitzungspräsident Christian Rüth erläuterte, bedeutet „casa nostra“ etwa „unsere Heimstatt, unser Haus, unser Zuhause“. Bühnenbild führt nach Italien  Apropos Vorhang: Als der sich betont langsam ö"nete, gingen ein sehr starkes Raunen und he!iges Klatschen durch den Saal. Axel Dürheimer und sein Team haben in den letzten Jahren ja immer sehr bemerkenswerte Bühnenbilder gescha"en, die vor allem durch ihre starke perspektivische Wirkung überraschten und beeindruckten. Aber dieses Mal hatten sie noch zugelegt: ein Blick in eine typische italienische Kleinstadtstraße, die sich in der Ferne verläu!, mit der typischen vierstöckigen Bebauung mit den schmalen Balkonen und Geschä!en im Erdgeschoss.  Wirklich frappierend war die Gestaltung des Lichts in einer neblig hohen Lu!feuchtigkeit, die der Szenerie enorme Tiefe gab und in der man das nahe Meer förmlich zu riechen glaubte. Palermo ließ grüßen. Schade, dass es durch das Geschehen auf der Bühne in den Hintergrund geraten musste. italienische Musik  Das Rotkreuzorchester unter Leitung von Alexander Wachsmann eröffnete das Programm mit zündenden Weisen, die keinen Zweifel daran ließen, dass man sich mitten in Italien befand, mit Melodien von Verdi oder Partisanenliedern wie „Bella ciao“. Eine gute Auswahl und auch nach guten fünf Stunden immer noch ganz konzentriert.  Und dann der erste Tanzau!ritt: der Showtanz der Minigarde von Katharina Dürheimer. Er erö"nete eine eigene Reihe im Programm, die sehr gut deutlich machte, warum der BTC zumindest bei den Mädchen keine Nachwuchssorgen hat. Denn die drei Garden bauen in ihrer Entwicklung schlüssig aufeinander auf.  Die Minis kamen mit zwei als Vespas verkleideten Rollern, also „Tretvespas“, auf die Bühne, mit denen sie das Geschehen auflockerten. Und die Choreographie war so gut angepasst, dass alle locker bleiben konnten. Beeindruckende Tänze  Der Showtanz der Jugendgarde von Bettina Glöckler und Nadja Fischlein ging dann schon stärker zur Sache – allein schon wegen seines Programms: Die zwei Töchter des vermutlich erschossenen Mafiabosses kämpfen um die Nachfolge. Da musste auch Aggressivität perfekt gestaltet und zwei Gruppen unter einen Hut gebracht werden.  Und schließlich die BTC-Garde von Steffi Wegmann mit ihrem klassischen Auftritt, absolut perfekt und dennoch locker getanzt und, obwohl alles andere als einfach, gute Laune verbreitend. Den Showtanz der BTC-Garde hatten dieses Mal drei Aktive choreographiert: Sophie Hippler, Lena Murk und Katharina Cimander. Ihr „BTC goes Bella Italia“ war eine köstliche Auseinandersetzung über „more or less Espresso“. Politische Reden  Die Büttenreden machten wieder einmal deutlich, wie hinderlich eine große Stärke sein kann. Oder anders gesagt: warum die BTC-Sitzungen nicht ins Fernsehen kommen (können). Die Garitzer haben es nicht nötig, Gastredner einzukaufen, die dann zum 28. Mal ihre Reden abspulen, sondern sie schreiben ihre eigenen Reden. Und die sind selbst für den Fasching erstaunlich politisch (was nicht jeder Narr mag).  Gut, Nico Sauer als „Sizilianer“ mit seiner traditionellen politischen Tour d’horizon könnte man auch verkaufen, weil er die überregionale bis weltweite Politik spöttisch bis gallig beleuchtet, dass man zwar lachen kann, er auch immer wieder sagen muss: „Aber so ist es doch.“ Aber die anderen Beiträge bleiben, sehr zur (Schaden- )Freude des Publikums, im Garitzer-Kissinger-Reiterswiesener Bereich. „Make Bad Kissingen great again!“  Da war Thomas Rüth jr. als Alfons „The Money Man“ Capone mit einer ebenso treffenden wie beklemmenden Trump-Kopie, der Bad Kissingen wieder „great again“ machen will: etwa die Jakobuskirche abreißen und einen riesigen Ballsaal bauen. Das Rathaus abreißen, weil die Verwaltung nicht mehr gebraucht wird, eine neue Halle für den BTC und ein neues Hallenbad; und vieles mehr. Und alles innerhalb von vier Wochen.  Natürlich bekommen auch die beiden OB-Kandidaten für den 6. März ihr Fett weg: der „kleine rote Vogel-OB“ und „kleine Schnitthappe Kiesel von Nüdlingen“. Sein Fazit: „Wählt Alfons Capone!“  Benedikt Rüth als „Der Herr Pforra von der Camorra“ oder auch „Don Promillo“ legte mit drastischem Zugri" den Finger in die Wunden des städtischen Status quo: von der kün!igen Nutzung der St.-Elisabeth-Kirche über die Bahnhofstoilette, die Eishalle („Blödheit mit Urteilen verdecken“), die vielen Barbershops und den Rückzug der Staatsbad-Philharmonie und einiges mehr.  Und er gab mit auf den Weg: „Viele Garitzer stehen auf den Wahllisten zum Stadtrat. Wäre schön, wenn sie für uns was bringen.“ Bemerkenswert bei beiden: das Durchhalten des amerikanisch- und italienisch-garitzerischen Kauderwelschs. Heftige Kritik an OB-Kandidaten  Die BTC-Sänger beschäftigten sich zum Teil recht deftg mit den OB-Kandidaten („Kiesel, dich kennt fast keine Sau“) oder sentimental mit „Lasst uns träumen am Lago di Garitz“ oder spöttisch mit dem Rohrschaden am Marbach- Durchfluss.  Zum Schluss fegte Dreggsagg Michl Müller über die Bühne wie ein aufgeblasener, aber undichter Luftballon – dieses Mal als nominierter Fußball- Nationalspieler – nur, dass es außer ihm niemand weiß: Der Julian hat noch nicht angerufen.“ Aber er will vorbereitet sein, will in ein Trainingslager und gerät in ein Wellnesshotel im Bayerischen Wald – für ihn eine völlig fremde Welt.  Und so gerät er in Gedanken und mit seinen Liedern immer wieder in die vertraute Garitzer Heimat. Den Irrtum mit dem Nationalspieler löst Julian Nagelsmann am Telefon natürlich auf: Der Dreggsagg soll für die Nationalmannschaft singen. Für alle eine Win-win-Situation  Und dann beginnt der singende Auszug. Da steht und singt die ganze Halle „Es war wieder mal ein schöner Tag“. Fasnachtsverband ehrt Narren  Natürlich hatte Klaus Mültner vom Fasnachtsverband Franken Orden mitgebracht. Den Sessionsorden des FVF erhielten Valentin Heirle, Charlotte Cramer, Sebastian Schönlein, Katharina Dürheimer. Der Förderorden des FVF ging an Karin Papadopoulus. Verdienstorden des FVF ging an Philipp Körner, der Verdienstorden in Silber des BDK an Nicolas Sauer. Und Bertram Englbauer erhielt die höchste Auszeichnung des FVF: den Till von Franken in Silber.

 

 

Thomas Ahnert / Main-Post, 02.02.2026

 

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